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Countertenöre

Als Countertenor (vom lat.: contratenor; auch: Alto) werden Sänger bezeichnet, die in Alt- oder sogar Sopranlage singen.

In früheren Zeiten waren es die sogenannten Kastraten (siehe weiter unten), welche in diesen Stimmlagen auftraten. Heute sind es Sänger, die mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- beziehungsweise Falsett-Technik in die hohe Gesangsstimme gelangen.

Die ersten Kastraten, die im ausgehenden 16. Jahrhundert nach Italien kamen, stammten aus Spanien. Sie wurden engagiert, um die Sopranoparts in der Sixtinischen Kapelle zu übernehmen, denn Frauen durften in diesem Umfeld nicht auftreten. Die Kastraten erfreuten sich bald grosser Beliebtheit und erhielten lukrative Positionen, so zum Beispiel am Hofe der Medici in Florenz.

Die Schulung war von äusserster Härte, von langer Dauer und grosser Sorgfalt geprägt. Dieser Effort zahlte sich für die jungen Männer und ihre Familien meist aus, denn die Laufbahn eines Kastraten war oft mit einem sozialen Aufstieg verbunden.

Viele Komponisten der damaligen Zeit schrieben eigens für die hohen Männerstimmlagen Stücke beziehunsgweise Opernrollen, so auch Händel. Die bekanntesten Kastraten seiner Zeit waren Francesco Bernardi, genannt Senesino, und Carlo Broschi, auch Farinelli genannt.

Senesino kam um 1690 in Siena zur Welt. Er war gross und stattlich, und hatte ein rundes Gesicht. Nach ersten Auftritten in Venedig um 1707 bereiste er verschiedene italienische Städte und war ab 1717 zunächst am Dresdner Hof angestellt. Für die neu gegründete Opernakademie in London suchte Georg Friedrich Händel auf dem Kontinent nach Sängern. Er versuchte Senesino zusammen mit anderen Sängern in Dresden abzuwerben. Dies gelang ihm auch, und so kam Senesino 1720 nach London. Mit den Heldenrollen in Opern wie Giulio Cesare und Riccardo Primo feierte er dort grosse Publikumserfolge. Ab 1734 gehörte zu diesem Ensemble auch Farinelli.
 

Farinelli wurde am 24. Januar 1705 in Neapel geboren, wo er 1722 seine ersten Erfolge feierte. Er trat u.a. in Frankreich, England und Spanien auf. Sein Bruder Riccardo Broschi komponierte übrigens einige Stücke für Farinelli, so u.a. "Ombra fedele anch'io".

Der Regisseur Gérard Corbiau verfilmte 1994 mit Stefano Dionisi in der Hauptrolle Farinelli's Lebensgeschichte.

In der englischen Gesangstradition sind Countertenöre weiter verbreitet als auf dem Kontinent. Mit Alfred Deller war es dann auch ein Brite, der dieser Gesangstechnik ab den 1940er-Jahren wieder zu weltweiter Bedeutung verhalf.